19.12.2019

Briefe



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ID: 12185 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 01.07.1887
 

Frankf. d. 1 July 87
Liebste Marie
mein Absage-Thelegramm haben Sie erhalten – ich bin sehr traurig, daß das Wetter mir heute den Streich macht! es war nun Alles eingerichtet, ich schrieb neulich nach Ihrem lieben Besuch gleich nach Franzensbad, daß ich keinesfalls vor Dienstag kommen würde, und, nun geht es doch nicht. Elise kann mir nämlich nur ihren Victoria-Wagen geben, in welchem ich mich nicht gegen den Wind schützen kann, und zu viel riskire, besonders Abends bei’m nach Hause fahren. Kämen wir per Eisenbahn, so wäre es doch zu kurz [u. unsicher] gewesen Sie wegen des Wagens nach Großkarben zu benachrichten [weiß ich doch auch nicht, ob es Ihnen passen würde den Wagen zu schicken] kurz, ich muß es für jetzt aufgeben. Ich hoffe aber ganz sicher im Septbr. wo Sie doch noch hier sind (nicht wahr?) nachzuholen, und dann mit mehr Ruhe und Muße die Fahrt zu machen, u. eine Nacht bei Ihnen zu bleiben, was mir behaglicher ist, als an einem Tage, wo man immer nur mit der Fahrt beschäfftigt ist!
Liebe, liebe Marie Sie sind mir doch nicht bös? ich meine aber, Sie können nichts anderes von mir denken, wissen es doch zu gut, wie herzlich lieb ich Sie habe! wie oft habe ich die Entfernung schon beklagt, weil wir uns so wenig sehen!
Leben Sie wohl, gehe den Sommer Alles nach Ihrem Wunsch, grüßen Sie Ihren lieben Mann und bleiben Sie gut Ihrer
allezeit treu
ergb
Clara Schumann.

Marie sendet Ihnen ebenfalls beste Wünsche f. d. Sommer, sie ist mit mir betrübt, aber sie fürchtet auch für reichsten Wind im offnen Wagen.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Oriola, Marie von, geb. Christ, verh. Berna (2699)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 12
Briefwechsel Clara Schumanns mit Landgräfin Anna von Hessen, Marie von Oriola und anderen Angehörigen deutscher Adelshäuser / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-023-0
587f.
 



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