19.12.2019

Briefe



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ID: 18235 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 05.03.1892
 

Frankfurt a. M., den 5. März 1892.
Conservatorium. Eschersheimer Landstrasse 4.
________
J.-No.

Hochgeehrte Frau!
In der außerordentlichen Sitzung, zu welcher das Curatorium heute aus Anlaß Ihres geehrten Schreibens vom 26. Februar zusammengetreten war, wurde es von allen Anwesenden aufs tiefste bedauert, daß Ihr Gesundheitszustand Sie mit soviel Besorgnis wegen der längeren Unterbrechung Ihrer Lehrthätigkeit erfüllt und Sie gar zu dem Wunsche drängt, Ihrer Stellung an unserer Kunstschule enthoben zu werden. Die Administration vermag den Gedanken gar nicht zu fassen, daß Sie aus dem Conservatorium, dem Sie seit der Gründung desselben angehören, ausscheiden wollen. Sie hat auch mit lebhaftem Bedauern den plötzlichen Entschluß Ihrer Fräulein Töchter vernommen, deren [uns] im vorigen Jahre bekannt gegebenen Wünsche nach Verbesserung ihrer Anstellungsverhältnisse wir im Zusammenhang mit den Erleichterungen zu erledigen gedachten, die wir schon seit Ihrer Erkrankung bereit sind, Ihnen zu gewähren. Nur aus Rücksicht auf Ihren Gesundheitszustand zögerten wir seither, Ihnen spezielle Vorschläge zu machen, da dieselben doch eingehend erwogen und besprochen sein wollen. Von den Empfindungen der Verehrung für Sie, hochgeehrte Frau, und der Dankbarkeit für Ihre hohen Verdienste um das Conservatorium geleitet, beehrt sich das Curatorium, Ihnen und gleichzeitig Ihren Fräulein Töchtern nunmehr folgenden Vorschlag zu machen:
Im Falle Sie Ihre Lehrthätigkeit nicht in dem seitherigen Umfange wiederaufnehmen können, gewährt Ihnen das |2| Conservatorium ein jährliches Gehalt von 4000 Mark, ohne Ihnen dagegen regelmäßige Verpflichtungen aufzuerlegen; die Administration ist überzeugt, daß Sie auch fernerhin je nach Ihrem Befinden der Anstalt gern Ihre Kräfte widmen werden. Indessen wird von der Administration sowenig auf eine positive Gegenleistung gerechnet, daß Sie gebeten werden, die genannte Summe als Ruhegehalt ansehen zu wollen auch für den Fall, daß Sie Sich von jeder Lehrthätigkeit zurückziehen. Dagegen übernehmen Ihre Fräulein Töchter Ausbildungsklassen für das Klavierspiel mit 10 für die Woche garantierten Stunden gegen ein Fixum von 2400 Mark; Überstunden sollen immer für ein volles Semester festgestellt und mit 6 Mark honoriert werden. Die Administration würde damit einverstanden sein, daß Ihre Fräulein Töchter wie bisher den Unterricht in Ihrer Behausung erteilten; doch müßte sie voraussetzen, daß eine derselben, auch in Vertretung ihrer Schwester, die planmäßige Unterrichtszeit einhält, während das andere Fräulein zu Ihrer Verfügung bleibt. Der warme Ton Ihres Schreibens vom 26. Februar läßt uns zuversichtlich hoffen, daß Sie gern geneigt sind, unseren Vorschlag in wohlwollende Erwägung zu ziehen.
Ihrer gefälligen Entschließung entgegensehend, verharren wir mit herzlichen Wünschen für Ihre baldige Wiederherstellung
Verehrungsvoll
Die Direktion Die Administration
Dr B. Scholz Dr Th Mettenheimer
Vorsitzender.

  Absender:
  Absender-Institution: Dr. Hoch's Konservatorium
  Absendeort: Frankfurt
  Empfänger: Schumann, Clara, geb. Wieck
  Empfangsort:
  SBE: II.16, S. 659ff
 

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