25.02.2022

Briefe



Rückwärts
	
ID: 19078
Geschrieben am: Mittwoch 01.11.1871
 

Mag Dunkelheit mich ganz umgeben,
Wenn Deiner Seele klares Licht,
Durch Deiner Töne wogend Leben
Die inn’re Schattenwelt durchbricht,
Dann naht mit ihrem Strahlenkranze
Die Freude mir in vollem Glanze!
Doch wenn das Wort von Deinem Munde
In lieber Nähe zu mir klingt,
Und mir des schönsten Herzens Kunde
So recht zu Herzen wieder dringt.
Dann darf ich kühn mich wohl vermessen
Das Glück hat mich noch nicht vergessen.
Es hat mit einem milden Sterne
Mir meinen Lebenstag erhellt,
|2| Der mir von einer lichten Ferne
Erzählt von einer schön’ren Welt,
In Tönen die mit Engelszungen,
Mir tief in’s Innerste gedrungen!
Und wenn er schwebt auf seinen Bahnen,
Und hebt den Blick zu sel’gen Höhen,
So ließ das Glück mich mehr noch ahnen,
Es ließ Dein schönes Herz mich seh’n
Gestattet mir, es frei zu wagen,
Dir tiefgefühlten Dank zu sagen!
Der Dank für Alles was Dein Leben
Und Deine Kunst für Viele ist,
Doch was Du mir allein gegeben,
Und was besonders mir Du bist,
Das kann nur seinen Ausdruck finden,
In meiner Seele Tiefempfinden!
Marie v. Lindemann
Nov. 1871



  Absender: Lindeman, Marie von (2605)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 22
Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit Korrespondenten in Dresden / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Carlos Lozano Fernandez und Renate Brunner / Dohr / Erschienen: 2021
ISBN: 978-3-86846-032-2
1246 f.

  Standort/Quelle:*) D-B, s: Mus. Nachl. K. Schumann 3,66
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 

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