19.12.2019

Briefe



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ID: 19715 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 24.12.1876
 

Breslau d 24t Dez. 76.
Geliebte Frau Schumann,
Schon seit vorgestern ist Ihre liebe u schöne Gabe in unseren Händen, u erst heut kommen wir dazu Ihnen unseren Dank dafür zu sagen. Wie überreich haben Sie uns beschenkt – – ich kann kaum rechte Worte für meine Gedanken dabei finden, aber könnten Sie dieselben lesen – Sie würden mich gewiß verstehen. Beschenkt wurden wir ja von Ihnen schon, noch viel reicher, dadurch daß wir Sie hier hatten u Ihre warme Theilnahme u Freundschaft für uns so beglückend fühlten – darüber hinaus können Sie mir überhaupt Nichts mehr geben, selbst nicht in Ihrer eigenen Kunst – aber das kann ich so wohl nicht sagen, denn es ist nicht zu trennen. Ihr warmes Herz u Ihre Kunst, Alles zusammen sind Sie mir die liebe, liebe, innig verehrte Freundin! Auch eine Erinnerung mehr an Sie kann mir Karus kaum geben. Die Gedanken an Sie sind stets meine liebsten u treu gepflegt. Aber erinnern soll mich das hübsche Bildchen daß Sie uns noch eine Freude in der Entfernung machen wollten – u meine Schwester hat Ihnen geschrieben wie wir uns gedacht haben Ihre liebe Gabe doch an den Wänden unserer Wohnstube zu haben, so voll sie auch schon sind. Nicht wahr, Sie werden uns nicht misverstehen? wir haben es recht überlegt ob wir Ihnen unsere Bitte auch sagen dürften – doch denke ich, Sie verstehen Aufrichtigkeit, wie sie auf dem Grunde so tiefer Verehrung u Liebe ruht! Wie gut daß Sie jetzt bei Eintritt der Kälte zu Haus in Mariens guter Pflege u in der gemüthlichen Häuslichkeit bleiben können! Möchten Sie Sich bei den Weihnachtsbesorgungen nicht erkältet haben! Meine Weihnachtsstimmung will in diesem Jahr gar nicht recht frei werden – zur Weihnachtsfreude möchte man ein leichtes Herz haben, u das habe ich nicht! Inliegend sende ich Ihnen die Rechnung für Flügeltransport – mehr konnte ich bei Lichtenberg von den dazu bestimmten 20 m nicht anbringen u werde ich Ihnen per Posteinzahlung den Rest heut mitschicken. Sie sehen daß Breslau doch wirklich noch ein einfacher Ort ist, billiger als Berlin – Sie wollten es mir nicht glauben!
Leben Sie wohl, frohe, gesunde Feiertage Ihnen u den Kindern – nun putzen Marie u Eugenie auch wohl schon das Weihnachtsbäumchen – herzliche Grüße Ihnen Allen
von
Ihrer treu ergebenen
Elisabeth Werner

  Absender: Werner, Elisabeth (1691)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 18
Briefwechsel Clara Schumanns mit Korrespondenten in Berlin 1856 bis 1896 / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Eva Katharina Klein und Thomas Synofzik / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-055-1
671f.
 



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