15.07.2019

Briefe



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ID: 21678 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 16.04.1887
 

Frankfurt a/m d. 16ten April 87.
Liebes Fräulein,
gestern bin ich von England zurückgekehrt, wo es mir in jeder Beziehung sehr gut ergangen ist. Wie gewöhnlich erwarteten mich aber zu Haus wieder der Sorgen so manche, und in einer der Hauptsorgen wende ich mich heute sogleich an Sie. Sie haben mir früher schon so freundliche Hülfe in Bezug auf Julchen, meine Enkelin, gewährt; damals dachten wir
sie in unserem Hause zu erziehen, jetzt stellen sich aber die Verhältnisse bei meinem Sohn so heraus, daß mir die viel größere Sorge für die Knaben zufällt. Ferdinand ist so krank, daß er seine Stelle vorläufig aufgeben muß und ich zu sorgen habe, daß er eine längere Zeit nur für seine Gesundheit lebt. – Die Lasten für die ganze Familie fallen jetzt auf mich, und ich muß suchen wenigstens für ein oder zwei Kinder Freistellen zu erhalten. Bitte sagen Sie mir noch einmal genau was ich zu thun habe um mit einem Schreiben resp. einer Bitte an die Kronprinzeß zu gelangen. – Wie dasselbe wohl abgefaßt sein u an wen adressirt sein muß, können Sie vielleicht in Berlin gut erfahren, – auch ob eine Möglichkeit für nächste Zeit vorhanden wäre. – Julie ist 12 Jahr alt und ihrem Alter gemäß gut entwickelt. Sie sehen wie ich wieder einmal an Ihre Freundschaft apellire, ich weiß, wie gern Sie mir helfen und bitte daher so ohne Weiteres. –
In der Hoffnung daß diese Zeilen Sie und Ihre liebe Freundin wohl antreffen, bin ich mit den herzlichsten Grüßen Ihre alt ergebene
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  SBE: II.14, S. 138f.
 



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