15.07.2019

Briefe



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ID: 21686 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 05.10.1887
 

Frankfurt d. 5. Oktober 87.
Liebes Fräulein Wendt!
Wie sehr stehe ich in Ihrer Schuld u hier bei meiner Rückkehr fand ich nach den lieben Briefen noch das reizende Geschenk, womit Sie wirklich feurige Kohlen auf mein Haupt sammelten. Haben Sie Dank für Alles. Unser Leben war in den letzten Wochen ein furchtbar bewegtes, freudiger u trauriger Art. Wir wollten an meinem Geburtstage in Baden mit Eugenie zusammentreffen u erhielten in München so traurige Nachrichten von Ferdinand, der behauptete in Blankenburg nicht bleiben zu können, mich anflehte ich möchte einen Arzt consultiren u ihn dort fortnehmen. Ich that es, verschaffte ihm einen Platz in der Heilanstalt in der Herzogenberg ist, u beschloß in München zu bleiben, bis ich ihn instalirt hätte, da bekommen wir die Nachricht daß sein Arzt in B. es für besser gefunden hätte daß er noch bliebe. So hatten wir denn 12. Tage in München gesessen, meinen Geburtstag, wie Sie denken können traurig verlebt, waren um das Wiedersehen mit Eugenie in Baden gekommen, gingen aber doch noch dort hin um nach den großen Aufregungen noch etwas Luft u Natur zu genießen,
dazu begünstigte uns das Wetter ausserordentlich u wir genoßen Baden wie noch nie. Welche unverhoffte musikalische Freude wir noch hatten, werden Sie von Ihrem Herrn Bruder erfahren haben, der nach Baden kam um daran theil zu nehmen.
Nun sind wir wieder hier u haben unsere Thatigkeit [sic] wieder begonnen, leider rückten nun auch die vielen häuslichen u namentlich Familiensorgen, mir so auf den Hals daß ich ganz in Verzweiflung war, erst nach u nach mir [sic] durchkämpfe zu einiger Ruhe. So geht es eben immer auf u ab im Leben.
Möchte mir doch die Freude werden meinen Plan, mit einem Concerte in Berlin, mit Joachim im Januar ausführen zu können. Ich habe dafür in Leipzig abgeschlagen. Einstweilen habe ich seit ein Paar Tagen wieder etwas gespielt, u es geht so leidlich damit.
Für das Buch von Grimm, schönsten Dank. Können wir es den [sic] etwas behalten? denn wir kommen doch wenig zum Lesen, sind aber sehr begierig darauf.
Nun leben Sie wohl liebes Fräulein; nehmen Sie Beide unsere herzlichsten Grüße u nochmals den Dank
Ihrer
treu ergebenen
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  SBE: II.14, S. 154ff.
 



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