15.07.2019

Briefe



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ID: 21697 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 16.10.1888
 

Frankfurt a/m. 16./10.
Liebes Fräulein!
Recht langen, lieben Brief von Ihnen habe ich eigentlich zu beantworten, muß mich aber auf Weniges beschränken, will Ihnen vor allen Dingen sagen, daß ich auf meine Bitte an Rudorff eine reizende Antwort von diesem erhielt, u. zwar, daß er Julien zu jedem seiner Conzerte zwei Billete schicken würde, so daß sie immer noch Jemand mitnehmen kann. Bitte, verkünden Sie ihr das.
Die Musikstücke für 2 Klaviere, welche Sie mir aufnotirt hatten, werde ich Julien zu Weihnachten schenken. Ich war übrigens diese Tage recht bös auf sie. Marie hatte ihr, als sie nach Berlin ging, ein Keilkissen in ihr Bett extra machen lassen; das schickt sie zurück, ohne ein Wort zu sagen warum, u. jetzt verlangt sie es wieder, u. Marie muß es wieder einnähen, u. ihr schicken. Sie muß doch lernen, auch ein wenig an Andere, nicht nur an sich zu denken!
Ich schreibe es Ihnen, weil ich glaube, es macht ihr mehr Eindruck, als direct.
Ein Glück für sie erachte ich es, daß die Mutter von Berlin fort ist, ich glaube auch nicht, daß Sehnsucht sie quält, besonders, wenn sie Sonntags öfter einmal bei den Verwandten ist, die doch gewiß sehr nett mit ihr sind. Zudem sieht sie dort nur Gutes u. bei meinem Bruder ein häusliches Glück, was gewiß schon auf solch ein Kind günstigen Einfluß übt. Wir halten jetzt einstweilen den 13. Dez. fest für unser Conzert in Berlin, ich brauche Ihnen nicht zu sagen, wie sehr ich wünsche, es vollführen zu können. Ich habe doch immer Schmerzen im Arm, u. stets verstärken die sich nach dem Spielen.
Ich habe Ihnen ja auch noch nicht erzählt, daß ich neulich bei Putlitzens in Karlsruh [sic] Ihren lieben Herrn Bruder gesehen habe – es war ein reizend gemüthlicher Mittagstisch.
Nun leben sie wohl, und seien Sie mit Ihrer lieben Freundin aufs herzlichste gegrüßt
von
Ihrer
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  SBE: II.14, S. 184f.
 



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