15.07.2019

Briefe



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ID: 22853 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 16.10.1888 bis: 19.10.1888
 

Wien, den 19.10.1888.[?]

Liebe Clara,

schon all die Zeit und morgen gar werde ich mit allen Gedanken dort sein, und am liebsten wäre ich's selbst, um Dein seltenes und schönes Fest mit zu feiern.

Ich muß schon an die vielen Menschen, die vielen Festessen und gar Reden denken, wenn mir so weit davon dennoch der Gedanke an Dich behaglich sein soll. Dies alles entbehrte ich gern; höchst ungern aber, ein stiller Zuschauer und Zuhörer sein zu können, und als das Beste: hernach Dich und Deine Gedanken begleiten zu können, statt sie hier allein und stumm herumzutragen. Du aber, Beste der Frauen und Künstlerinnen, freue Dich alles Schönen und Guten, das Du morgen erlebst, und denke selig an alles Schöne und Gute, das Dir und Deinem Manne so viel Liebe verschafft hat.

Für Deinen heutigen und den neulichen Brief danke ich bestens. Ich habe gleich an Simrock geschrieben, daß er Dir die Stimmen schickt - hoffentlich gebrauchst Du sie! Wenn Fillu gut aufgelegt ist, müßte sie allerdings die Stücke ganz gut singen! .... Ja, da liegt z. B. auch eine kleine Violinsonate - aber käme sie zu Dir, wieviel Briefe kriegte ich gleich aus Frankfurt, und nicht bloß aus der Myliusstraße! So hoffe ich, daß ich meine berühmte Herbstreise bald antrete, dann kann ich sie mitnehmen.

Die Zigeunerlieder hörte ich dann auch gern - sie müssen notwendig sehr hübsch gesungen sein, daß sie sich Deine Gunst erwerben konnten!

Mit allerherzlichsten Grüßen und Wünschen für diese und alle Tage

Dein

Johannes.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
Absendeort: [Wien ?]
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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