19.12.2019

Briefe



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ID: 2314 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 22.10.1842 bis: 26.10.1842
 

Lieber David,

Vielen Dank für Ihren Brief. Laßen Sie uns mit einem Worte wißen, wie es heute bei Ihnen und in Ihrem Hause geht. Hier auch die Symphonie, deren Leitung ich Ihren Händen mit ganzem Vertrauen übergebe. Stünden Sie freilich auch an der 1sten Violine, und Mendelssohn dirigirte, so könnte ich nur froh darüber sein. Mendelssohn's Zurükkunft ist aber, wie ich höre, wieder zweifelhaft geworden wegen der neu unternom_enen Symphonien Soireen in Berlin. Und dann, Mendelssohn hat sich bei der ersten Aufführung mit so viel Freundlichkeit meiner Symphonie angenom_en, daß es seine Güte fast zu sehr in Anspruch nehmen hieße, sollte er sie noch einmal einstudiren. Oder ginge denn das nicht, daß Sie dirigirten und auch vorspielten? Das schiene mir freilich des Beste. Das Orchester kennt ja die Symphonie schon und wird sich schnell wieder darin zu Rechte finden. Und richteten Sie es ein, daß ein nicht zu großes und schweres zweites Orchesterstük in demselben Concerte angesetzt würde, so bliebe ja auch hinlänglich Zeit zum Probiren. Dies sei denn Alles Ihrer freundlichen Ein- und Ansicht überlaßen. Wegen einiger Stellen in der Symphonie besprechen wir uns noch mundlich - namentlich über eine im 1sten Satz. Das NB 1 das die Homer haben, ist mir überall, wo ich die Symphonie hörte, zu matt herausgekom _en. Bei der 1sten Aufführung hier schien mir's stark genug zu klingen, weshalb ich es auch drucken ließe. Ich möchte aber doch lieber Posaunen nehmen, wie ich auch in meiner 1sten Skizze notirt hatte - jedenfalls versuchen wir es einmal mit Posaunen. Nochmals lege ich Ihnen auch, lieber David, das Schiksal der Roda'schen Symphonie an's Herz, und seinen eignen Brief bei, damit Sie sehen, daß hier auch eine Liebespflicht als Mensch für ihn spricht. Sie werden manche Anklange in seiner Symphonie finden, aber doch auch vieles Eigene, und namentlich scheint mir das Adagio von großer Innigkeit. Den Brief, den ich natürlich nur Ihnen allein anvertraue, senden Sie mir gelegentlich wohl zurück. Meine Quartette druckt Härtel. Er sagte mir, wie viel Gutes Sie ihm davon gesprochen, und das hat mich recht von Ihnen gefreut. Es soIl aber auch immer beßer werden, und mir ist bei jedem neuen Werk, als muBt' ich wieder von Vorn anfangen.
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Verzeihen Sie, daß, wo Ihre ganzen Gedanken der Pflege Ihrer Frau zugerichtet sein mögen, ich Sie auf einige Augenblicke davon abwendete. Hoffentlich bringt meine Botin gute Nachrichten mit und mit diesem Wunsch und freundlichem Gruß bin ich
Ihr
R. Schumann.

  Absender: Schumann, Robert (1455)
Absendeort: [Leipzig]
  Empfänger: David, Ferdinand (339)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
258ff
 



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