19.12.2019

Briefe



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ID: 2827 Brieftext


Geschrieben am: Montag 03.02.1851
 

Leipzig, den 3. Februar 1851.

Verehrter, geliebter Meister,

Voll Freude und Dank über Ihre geehrte Zuschrift vom 20. v. M. Sah ich der Empfangnahme der Genoveva entgegen und verschob in Erwartung derselben die Absendung gegenwärtiger Zeilen bis heute: Allein das ersehnte Werk ist noch nicht gekommen und auf meine diesfällige Anfrage bei Peters erhielt ich die Antwort, Sie hätten von dem mir zugedachten Exemplare nicht Erwähnung gethan. Da ich nun nicht weiß, wie die Sache zusammenhängt, erlaube ich mir, Sie von dem Stand derselben zu benachrichtigen, und ersuche Sie gefälligst das Weitere verfügen zu wollen. Die Absicht, über das Werk zu schreiben, hege ich immer mit Vorliebe. Möchte mir gelingen, etwas zur Anerkennung derselben beizutragen! Alle Polemik werde ich vermeiden und nach Kräften Positives geben. An den Streit in der „Neuen“ denke ich selbst nicht gern zurück. Aber im Drange der Zeit und im Schmerze über die nichtigen Auslassungen von Seiten Br.'s konnte ich nicht anders schreiben. Der Bruch mußte endlich, nachdem sich derselbe achtzehn Monate lang schon vorbereitet hatte, vor aller Welt geschehen. Es war für mich Gewissenssache, gegen den als offener Gegner herauszutreten, welchem ich vorher so innig das Wort geredet hatte. Ich glaube wenigstens damit so viel negativ Gutes erreicht zu haben, Br.'s Einfluß auf die öffentliche Meinung in den Augen seiner Anhänger herabzusetzen. Gewiß ist, daß gegenwärtig Br. den moralischen Credit hier gänzlich verloren. Er ist auch in der That nicht besser, als der Stuttgarter Schilling. Später mit Ihrer gütigen Erlaubniß Mehreres. Bei denen, welche das innere Getriebe nicht kennen, liegt das Gehässige jenes Streites auf meiner Seite. Edler Meister, urtheilen Sie mild darüber. Habe ich etwas verschuldet, so will ich's gern wieder gut machen. Schreiben Sie mir später noch einmal so bitte ich um kurze Belehrung über Nr. 8 der Noveletten. Die Ziffern 5 und 6 (Fortsetzung und Schluß) weiß ich nicht zu deuten.
Mich Ihrem ferneren gütigen Wohlwollen empfehlend verbleibe ich mit vollkommenster Hochachtung
Ihr ergebenster
A. Dörffel.

[BV-E, Nr. 4116:] A. Dörffel. [beantwortet:] NB [Versand:] fr. [Bemerkung:] X.

  Absender: Dörffel, Alfred (377)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
377f.
 



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