19.12.2019

Briefe



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ID: 3509 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 16.06.1848
 

Geehrter Herr Doktor!

Von Herrn Julius Schuberth in Hamburg ward mir der Antrag gestellt, Ihre bei ihm erschienen Lieder mit Pianofortbegleitung Op 36 und für Männerchor (op 33), für Pianoforte allein zu umschreiben. Dieser Arbeit unterzog ich mich um so lieber, da ich von Herrn Schuberth hörte, daß Sie selber vor Jahren schon eine solche Bearbeitung gebilligt hatten, und da ich, wie Sie wissen, ein so großer Verehrer Ihres Genius bin, und die Hoffnung hege, auch auf diese Weise ein wenig zur größeren Verbreitung dieser Werken[sic] beizutragen. Da <> ich aber nur dann mich selber meiner Arbeit freuen kann, wenn <>dieselbe auch Ihren Beifall hat, so sende ich Ihnen einige meiner Transcriptionen mit der freundlichen Bitte, mir recht aufrichtig Ihre Meinung <mitz> darüber mitzutheilen. Es bedarf gewiß nicht meinerseits der Versicherung, daß kei[ne] tadelnde Bemerkung irgendwelcher Art mir unange[nehm] sein könnte und daß mich keine Mühe verdrießen soll, <falls ich dadurch>welche mich Ihren Wünschen näher kommen läßt. Wäre meine Kraft meinem guten Willen gleich gekommen, so hätten Sie freilich nichts zu tadeln. Erlauben Sie nun mir noch einige specielle Fragen und Bemerkungen. Vorerst lassen Sie mich um Entschuldigung bitten, daß ich Ihnen ein so schlechtes Manuscript sende; es ist, wie Sie an den vielen Aenderungen hie u. da sehen können, die erste Schrift, und da ich vieler Ausstellungen gewärtig bin, so wollte ich mir die doppelte Mühe des zweimaligen Abschreibens ersparen. Von den 4stimmigen finden Sie nur zwei, die anderen schienen mir zur Uebertragung wenig passend, allenfalls noch die Frühlingsglocken u. die Minnesänger. Wünschen Sie, daß ich mich an letzteren beiden versuche? Beim 2ten Verse des „träumenden See’s“ habe ich eine etwas freie Bearbeitung gewagt, eben so bei der Lotosblume ein harmonisches Arrangagement [sic] gemacht, um es dem Character des Piano anzupassen. Die Bearbeitung des 2t Verses <> im „Ständchen“ scheint mir selber etwas zu äußerlich und <beginnt> bedingt zugleich wohl ein etwas zurückgehaltenes Tempo. Freilich klingt es auf einem schönen Flügel gut. Auf der letzten Seite habe ich eine andere Weise angegeben, die Ihnen vielleicht besser behagt. In dem folgenden herrlichen Liede „Sonntags am Rhein“ schien mir jede freie Bearbeitung sündlich, ich habe mich daher streng am Originale gehalten und nur bei der Strophe „Vom Dorfe hallet etc.“ die obere Oktave gewählt weil es mir entsprechend und nothwendig erscheint. – Mit der Bearbeitung des Sonnenscheins fürchte ich Ihren ganzen Zorn auf mich geladen zu haben. Meine Absicht aber ist, zuvor das Lied, wie es ist, ganz einfach durchspielen zu lassen, dann aber vom Zeichen XXX und mit etwas beschleunigtem Tempo jene Bearbeitung folgen zu lassen. Das folgende Lied bot manche Schwierigkeiten dar. Erlauben Sie das ais bei dem Zeichen *? „Nichts Schöneres“ finden Sie noch nicht; es wollte mir etwas schwer scheinen und so schob ich es bis dahin noch auf; um Ihre Meinung darüber zu hören. – Hr. Schuberth wünscht auch Ihre 4stimmigen Lieder f. 1 St. Mit Pianofortebegleitung. Billigen Sie eine solche Bearbeitung? Und welche Lieder sind am passendsten? Etwa No 1,2,3, u. 6. Letzteres ließe sich etwa als 2stimmiges Lied bearbeiten Ueber alles dies haben Sie wohl die Güte mir recht bald Antwort zu ertheilen, da ich diese Arbeit gerne noch hier in Hamburg beendigt sehen wollte, um die Correctur hier noch besorgen zu können. Darf ich Sie ferner bitten, Ihre Antwort an mich nicht an H Schuberth zu <senden> adressiren? wohl aber gerne durch ihn zu senden. Er könnte mir in seinem Interesse Manches verschweigen. Ihr Interesse bleibt hierbei aber doch jedenfalls das Höchste. – Von Copenhagen haben mich die politischen Ereignisse vertrieben; ihr [sic] Quintett war es, mit dem ich öffentlich von Copenhagen Abschied nahm. Ernst der fast den ganzen Winter dort war hat auch mit größtem Entzücken Ihre Violinquartette mit Königslöw u. andern tüchtigen jungen Künstlern dort gespielt. – Bis zum Herbste bleibe ich in Hamburg, dann denke ich nach Leipzig zu kommen, u. freue mich sehr, auch Sie dann zu begrüßen. Mit der Bitte mich Ihrer Frau Gemahlin herzlichst zu empfehlen bleibe ich

Ihr Verehrer
Carl Reinecke

[BV-E, Nr. 3478, dat. 15. Juni 1848:] derselbe. [beantwortet:] NB. [Versand:] fr.





  Absender: Reinecke, Carl (1243)
  Absendeort: Hamburg
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
682-685
 



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