19.12.2019

Briefe



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ID: 4425 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 12.01.1851
 

Geehrtester Herr!
Als ich Ihnen vor einem halben Jahre meine musikalischen Pläne mittheilte, die Sie so freundlich waren durch Übersendung einer Sinfonie zu unterstützen, dachte ich mir das Gelingen derselben leichter, als es ist; keinesfalls ahnte mir ein Mobilisirungsbefehl. Kurz mannichfache Intrigue, Erbärmlichkeit der hiesigen Musikanten und vor Allem die unglückseligen Zeitverhältnisse haben mein Unternehmen im Keime erstickt u ich selbst, der unglückliche Unternehmer bin an Erfahrung u um ein paar hundert Thaler reicher dadurch. Traurig genug ist es aber, daß Berlin mit seinen vielen vorzüglichen Kräften der wahren Kunst nicht mehr Altäre baut, sondern daß Stabstrompeter u Gartenmusikdirectoren als Priester derselben fungiren. – Sie sind mir nach dieser Einleitung gewiß nicht böse, wenn ich Ihnen Ihre Sinfonie ungespielt, aber mit meinem besten Dank zurücksende, ja wenn ich sogar wage Sie um die Aufführung der meinigen zu bitten, welche Sie beifolgend erhalten. Sollten Sie indeß meine Bitte nicht erfüllen können, so habe ich wenigstens auf diese Art erreicht daß Sie mein Werk zu Gesicht bekommen und mir vielleicht freundlichst Ihre [sic] unumwundens [sic] Urtheil darüber mittheilen werden. – Jedenfalls möchte ich mit der Sinfonie um den Cöllner Preis concurriren; nicht etwa, weil ich mir schmeichle ihn davonzutragen, sondern, damit die Leute doch wissen, daß ein Mensch Namens Richard Wuerst [sic] in der Welt existirt. Wenn es nun nicht allzu unbescheiden wäre, daß ich Sie bitte, im Fall Sie die Sinfonie nicht zur Aufführung brauchen können, oder rasch nach ihrer Aufführung, vielleicht mit Buchhändlergelegenheit an Hiller zu schicken, so wäre mir dies das Angenehmste. Sonst aber würde einer meiner Bekannten oder Verwandten in Düsseldorf dies gewiß besorgen, wenn ich durch Sie, verehrter Herr Musikdirector, davon Kenntniß erhalte. –
Indem ich mich Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin angelegentlichst empfehle, habe ich die Ehre zu sein
Hochachtungsvoll Ihr
ergebenster
Richard Wüerst

Alte Jacobstr. 12
Berlin d 12.1.51.

Sr. Wohlgeboren
Herrn Musikdirector Dr. Rob. Schumann
in
Düsseldorf.

  Absender: Wuerst, Richard (1737)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 17
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Berlin 1832 bis 1883 / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Eva Katharina Klein und Thomas Synofzik / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-028-5
896f.
 



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