19.12.2019

Briefe



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ID: 793 Brieftext


Geschrieben am: Montag 13.01.1834
 

An Rellstab in Berlin.
L. am 13ten Januar 33.
Darf ich Ihnen sagen, mein verehrungswerther Herr, daß ich sehr gern an Sie schreibe u. denke, zumal Dienstags an dem die Iris einläuft? Von Woche zu Woche harrte ich sehnsüchtig auf Ihr Urtheil über meine Intermezzi, die ich schon vor langer Zeit eingesandt, muß aber fürchten, daß Sie sie gar nicht erhalten. Beurtheilen Sie die beifolgenden Impromtus ohne jene, so muß ich das letzere [sic] annehmen u. Sie um die Erlaubniß [er]suchen, ein neues Exemplar schicken zu dürfen. Den Impromtus habe ich noch beizufügen, daß die Oberstimme Clara Wiecks, die Baß- mein Eigenthum ist. Auch mache ich Sie auf die beygefügte Jahreszahl des Erscheinens aufmerksam, was aus keinem andern Grund geschah, als dem daß es wünschenswerth scheint, dießes [sic] in den musikalischen Titeln anzuführen, so sehr sich die Verleger aus sehr kleinen Gründen dagegen stemmen möchten.
Möge Ihnen das Kurze u. Rhapsodische in den Sachen, die Sie von mir kennen, nicht unangenehm auffallen. Sie wißen ja, wie erschrecklich Verleger die Ikarusflügel junger Autoren zusammendrücken zur unansehnlichen Wachsmaße, ich meine, wie sauer sie ihnen den Eintritt an [sic] die Welt machen. Es [folgen] aber größere Ausbrüche, nach denen der Mensch, wie der Aetna, beßer zu beurtheilen, als nach so ausgeschleuderten Steinchen, ohne mit dem Aetna im geringsten auf den Schreiber dieses anspielen zu wollen. Nun er ist in Ihrer Macht – er zittert aber nicht, denn er an denkt an [sic] die nordische Sage, nach welcher auf dem Regenbogen die Götter zur Erde steigen. Eben treten Stegmayer u. Louis Schunk [sic] ein, die sich Ihnen angelegentlich empfehlen laßen, letzterer dankend für Ihre jüngste Rezension. Beyläufig um die Beethovensche, von Schunke gespielt, gebe ich alles, was ich von Moscheles u. Kalkbrenner gehört. Ich bitte um Ihre Nachsicht, Ihr Wohlwollen für Gegenwärtiges u. Zukünftiges.
Ihr

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Rellstab, Ludwig (1251)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 17
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Berlin 1832 bis 1883 / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Eva Katharina Klein und Thomas Synofzik / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-028-5
515ff.
 



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