19.12.2019

Briefe



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ID: 21659 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 28.08.1885
 

Obersalzberg d. 28 Aug. 1885.
Liebes Fräulein,
haben Sie Dank für Ihre freundlichen Sendungen – Sie erhalten bis in 8 Tagen Alles zurück. –
Jetzt sind nun Kaiserfeld’s hier eingerückt, sie sind nur etwas unglücklich über ihre Zimmer, die Ihrigen haben sie nicht bekommen, und die Thekla behauptet nichts gewußt zu haben, daß sie sie wünschten, u. sagt (ich will es Ihnen vertrauen) Sie hätten nichts davon gesagt. Kaiserfeld’s scheinen sich darauf verlassen zu haben, u. meinten Sie hätten es wohl vergessen, was ich entschieden wiedersprach [sic]. Ich schreibe es Ihnen, damit Sie selbst an K. ein Wort darüber schreiben können.
Hier ist es noch herrlich, wir haben nur ab u. zu ’mal etwas Regen. Unsere Baupläne sind jetzt endlich zu einer Lösung gekommen – Herr Linde überläßt uns vom Sommer 87 an sein jetziges Haus zur Miethe, so lange wir es mögen. Auf diesen Vorschlag werden wir mit Freude eingehen, die Lage ist herrlich, das Haus groß, unten Bewohner, Thekla nahe u. doch nicht zu nahe. Linde steckt seinen Platz oben jetzt schon ab, und will im Winter zu bauen beginnen.
Meinem Bruder ging es recht leidlich zuletzt, er ist jetzt in München, u. M. Egorton schreibt mir, er sey ziemlich rüstig dort ausgegangen. Vielleicht sah doch der Arzt hier zu schwarz, u. er erholt sich wieder.
Es stellte sich mit den Briefen heraus, daß noch Vieles zu copiren war, wie gern hätte ich es Ihnen dictirt. Jetzt sind wir nun aber wirklich fertig, auch die kleine Vorrede bis auf den Schluß, an welchem wir noch laboriren.
Ich denke, wir werden noch bis zum 8 oder 9ten Septbr. hier bleiben; in diesen Tagen erwarten wir unsere sehr liebe Freundin Betty Oser, die wohl mit uns bleibt, so lange wir noch oben sind.
Nun seyen Sie Beide noch herzlichst gegrüßt, haben Sie Dank für Alles, und glauben Sie mich stets
Ihre herzlich ergb
Clara Schumann.

Marie grüßt freundlichst.
Frl. v. Noville ist hier, sie wohnen gerade über uns. Wir sehen uns nicht viel – ich habe nicht die Zeit.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Obersalzberg
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 14
Briefwechsel Clara Schumanns mit Mathilde Wendt und Malwine Jungius sowie Gustav Wendt / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2011
ISBN: 978-3-86846-025-4
108ff.
 



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